60 Jahre und immer noch faltenfrei

Vom 29. April 2009 | Veröffentlicht von Michael | Abgelegt unter Kunstdrucke | Kommentieren

60 Jahre und immer noch faltenfrei

Geburtsjahr ‘49: Schon sechs Jahrzehnte auf dem Buckel und von Alterserscheinungen noch keine Spur. Wie ist das möglich? Wahrscheinlich nur mit einem gesunden Lebenswandel, doch das interessiert uns in diesem Fall nicht, denn die Rede ist nicht von einem Menschen im besten Alter, sondern von der Bundesrepublik Deutschland.

Sechzig Jahre ist es nun her, dass die Bundesrepublik in den drei westlichen Besatzungszonen gegründet wurde und mit dem Grundgesetz als provisorische Verfassung in Kraft trat. Der Grundstein für eine vom Volk vollendete, in freier Selbstbestimmung geschaffene Einheit und Freiheit Deutschlands war geebnet.

Jedoch war der Weg zur heutigen Bundesrepublik Deutschland kein leichter, denn durch den kalten Krieg drifteten Westdeutschland und die Deutsche Demokratische Republik immer weiter auseinander, was mit dem Bau der Berliner Mauer (1961) seinen Höhepunkt fand.

Diesen steinigen Weg können Kunstinteressierte ab dem 1. Mai in Form von Malerei, Skulptur und Installationskunst im Berliner Martin-Gropius-Bau begutachten, wo „SECHZIG JAHRE. SECHZIG WERKE“ - so der Name der Ausstellung - präsentiert werden. Initiator der Ausstellung ist eine Gruppe Kunsthistoriker, die es sich zur Aufgabe machte, die sechzigjährige Geschichte Deutschlands anhand ästhetischer Entwicklungen in der bildenden Kunst erzählen und bilanzieren zu lassen. Neben den Exponaten von bekannten deutschen Künstlern, wie Jörg Immendorf oder Gerhard Richter, wurden 60 Monitore errichtet, die dem Besucher den zum Entstehungsjahr passenden zeitgeschichtlichen Hintergrund mit Archiv-Material des Westdeutschen Rundfunks liefern.

Künstlerische Meisterleistungen und Auffrischung der Geschichte unseres Landes in Einem, im Zeitalter der medialen Volksverdummung sollte man dieses Angebot dankend annehmen. Wer also die Möglichkeit hat und aus dem Raum Berlin kommt: Auf in den Martin-Gropius-Bau – auf die nächsten 60 Jahre BRD!


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Der Mann im Mond ist ausgezogen

Vom 15. April 2009 | Veröffentlicht von Emil | Abgelegt unter Kunstdrucke | Kommentieren

Der Mann im Mond ist ausgezogen

Der Mann im Mond - einstige Kultfigur für Jung und Alt – hat sich rar gemacht. Zwar waren Fotos von ihm schon immer extrem selten, aber der mystische Flair des Mondes half zumindest dabei, ihn im Gespräch zu halten. Denn seit der Mensch erfolgreich auf dem Mond gelandet ist und sich mit der Eroberung des Planeten Mars direkt die nächste Herausforderung zur Brust nahm, ist längst schon nicht mehr die Rede vom berüchtigten Mann im Mond, sondern von den kleinen grünen Marsmännchen.

Und wenn schon der Mann im Mond nicht mehr im Gespräch bleibt, so sollte es wenigstens der Mond selbst bleiben. Damit das geschieht, veranstaltet das Wallraf-Richartz-Museum in Köln vom 26. März bis zum 16. August die erste eigene Kunstausstellung rund um den Mond. Den Bedarf nach einer Ausstellung rund um den Mond erkannte der Mueumsdirektor Andreas Blühm bei seinen Vorbereitungen zu einer Ausstellung zum Thema “Licht”. Das künstliche Licht der Städte, auch Licht-Smog genannt, verdarb den Astronomen die Sicht auf den Mond, was Andreas Blühm über Umwege auf den Gedanken einer Mond-Ausstellung brachte.

Die Ausstellung mit den 150 Exponaten findet übrigens im Jahr der Astronomie statt – 400 Jahre nachdem Galileo Galilei das erste Mal ein Teleskop auf den Mond richtete und so die kirchliche Theorie der unbefleckten Empfängnis (der Mond galt als Symbol für die unbefleckte Empfängnis, da man annahm, seine Oberfläche sei nicht so zerklüftet, wie die der Erde) ins Wanken brachte.

Menschen richten ihre Stimmung nach ihm, Weltmeere verteilen ihre Masse nach seinem Willen,
die Kirche nutzte ihn für ihre Ideologien und welches Potenzial der Mond noch weiter in sich birgt, wird erst die Zeit zeigen, oder die größere Brieftasche. Denn wenn in ein oder zwei Jahrzehnten über dem nächtlichen Sternenhimmel die überdimensionierte Projektion eines Coca-Cola Logos prangt, sagt nicht, es hätte nicht schon in diesem Blog geschrieben gestanden! Und wenn man heute noch den Fußabdruck von Neil Armstrong auf dem Mond wiederfinden kann, wird man in Zukunft mit Sicherheit auch diesen Eintrag wiederfinden können. Ansonsten einfach mal beim Mann im Mond nachfragen - vielleicht ist der ja dann schon wieder groß im Kommen?


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Schlauer US-Import-Trick 17 oder auch: verstecken, abwarten, abkassieren.

Vom 30. März 2009 | Veröffentlicht von Emil | Abgelegt unter Kunstdrucke | Kommentieren

Schlauer US-Import-Trick 17 oder auch: verstecken, abwarten, abkassieren.

Die meisten Kunstliebhaber aus den USA, die sich auf dem europäischen Markt umsehen, kennen vermutlich das Problem: “Ja, das Geld für das Kunstwerk habe ich nun zusammengekratzt – aber die Einfuhrgebühren! Bitte! Wer kann sich die denn noch leisten?” Nun, diesen Menschen soll geholfen werden und die Süddeutsche Zeitung lieferte im Anschluss an die Kunstmesse in Maastricht im vergangenen März in einem Artikel die passende Anleitung dazu:

Man erwirbt als US-amerikanischer Kunstliebhaber für viel Geld ein Kunstwerk bei einer europäischen Kunstauktion - egal ob in Maastrich, Paris oder Köln, lagert selbiges für zehn Jahre im Zürcher Zollfreilager und hofft anschließend darauf, dass die bis dahin aufgetretenen Steuerdelikte inzwischen verjährt sind. Anschließend kann man das Bild legal in die USA einführen und dort auch wieder verkaufen.

Möglich macht das die anstehende Zusammenarbeit bei nicht deklarierten Konten zwischen den amerikanischen Finanzbehörden und den Schweizer Banken. Das soll aber natürlich nicht bedeuten, dass jeder amerikanische Kunstkäufer deswegen unter Generalverdacht gestellt werden darf, schließlich begünstigen Währungsschwankungen und die Erwartung einer gravierenden Inflation die Entscheidung, in Kunst zu investieren. Denn wenn die Preise auf dem Weltmarkt wieder steigen, lohnt es sich doch wahrlich, ein wertvolles Kunstwerk zu besitzen – aber bitte ohne das Zürcher Zollfreihaus als Zwischenstation!


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Shakespeare-Portrait: Späte Erkenntnis - der Dichter hatte Haare

Vom 11. März 2009 | Veröffentlicht von Oskar | Abgelegt unter Kunstdrucke | Kommentieren

Shakespeare-Portrait: Späte Erkenntnis - der Dichter hatte Haare

Seit Generationen prägt das Bild eines älteren Herrens mit “VoGlaHiTo” (Vorne Glatze, hinten Topfschnitt) unsere Vorstellung des berühmten Dichters.

Doch eventuell müssen wir uns in Kürze umgewöhnen, denn ein neues Shakespeare-Portrait ist aufgetaucht. Und diesmal handelt es sich um ein Besonderes: Angeblich handelt es sich um ein Shakspeare-Portrait, welches zu Lebzeiten des Dichters entstanden sein soll.

Das sogenannte Cobbe-Portrait (benannt nach der Familie in dessen Besitz es sich jahrhundertelang befand, zeigt einen edlen Mann im typischen Gewand des frühen 17. Jh., der - und hier bricht das gewohnte Bild - über ein fast vollständiges Haupthaar verfügt. Die hohe Stirn mag man als Modeerscheinung der Zeit betrachten…

Ob diese neue Erkenntnis aus dem Shakespeare-Portrait nun weltbewegend sein wird, darf getrost bezweifelt werden - zumal es sich bislang nur um eine Theorie handelt - und sicherlich wird es den Anhängern der Marlowe-Theorie oder anderen Aktiven in der William-Shakespeare-Urheberschaft vollkommen egal sein, ob Shakespeare Haare hatte oder nicht.

Letztlich zeigt uns diese neue Theorie um das Shakespeare-Portrait jedoch eindeutig, dass ein einzelnes Gemälde jederzeit in der Lage ist, jahrhundertelange Vorstellung über Bord zu werfen. Wobei man einschränkend sagen muss, dass die vorliegende Vorstellung ebenfalls das Produkt von zwei Kunstwerken ist, die bislang als einzige als authentisches Shakespeare-Portrait galten.

Ob man sich nun an Hand des neuen oder der alten Portraits ein Bild des Dichters macht, bleibt zunächst einmal jedem selbst überlassen, denn auch wenn die Frage, ob Haare oder keine, sicherlich eine Wichtige ist, so ist sie für die Bedeutung der Werke ähnlich irrelevant, wie die Frage nach der tatsächlichen Urheberschaft: die Werke wirken, egal ob Marlowe, der uns bekannte Shakespeare oder der neue, elegante Mann auf dem Shakespeare-Portrait sie geschrieben haben.


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Warum Männer Kapazitäten besser verwalten…

Vom 27. Februar 2009 | Veröffentlicht von Oskar | Abgelegt unter Kunstdrucke | Kommentieren

Warum Männer Kapazitäten besser verwalten…

Männer und Frauen sind grundverschieden, diese Erkenntnis ist alt, doch was nun spanische Wissenschaftler herausgefunden haben, stellt dieses Thema auf eine neue Stufe.

Wenn es um Kunst im Allgemeinen geht sind sich Männlein und Fräulein häufig einig.
Das Gemälde der Mona Lisa von Leonardo da Vinci empfindet man Geschlechter übergreifend als wunderschön, doch wie empfindet das jeweilige Geschlecht diese Schönheit?

Das Forscherteam von der iberischen Halbinsel hat genau dies untersucht und ließ jeweils zehn Männer und Frauen unterschiedliche Malereien und Szenen des täglichen Lebens anschauen und bewerten. Dabei wurden die Hirnströme der Probanten untersucht und mit einem überraschenden Ergebnis ausgewertet:

Die Forschung fand heraus, dass Frauen einen größeren Aufwand für die Bewertung eines Gemäldes oder eines Kunstdruckes betreiben als Männer und dabei gegenüber dem männlichen Geschlecht beide Gehirnhälften in Anspruch nehmen.

Männer nutzen für diese Tätigkeit nur die rechte Hälfte des Scheitellappens, die für die Kreativität und die Wahrnehmung des Großen und Ganzen zuständig ist.
Dies ist kein Mitbringsel der Evolution, sondern erst nach der evolutionären Trennung von Schimpanse zu Mensch entstanden. Vielmehr gehen die Wissenschaftler von der Tatsache aus, dass diese unterschiedliche Methodik auf die Arbeitsteilung der Steinzeit zurückzuführen ist. In dieser Zeit waren die Männer für das Beschaffen der überlebenswichtigen Jagdbeute zuständig, wohingegen die Frau als Sammlerin tätig war. Diese Tätigkeitsfelder haben die Wahrnehmung der Umwelt wohl maßgeblich verändert, sodass Frauen beim Erfassen von Eigenschaften wie Schönheit beide Gehirnhälften einsetzen.

Hiermit hat die Kunst dem männlichen Geschlecht wohl für ein für alle mal das Zepter der Kapazitätenplanung übertragen…


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Rom soll von Besuchern zerstört werden

Vom 12. Januar 2009 | Veröffentlicht von Chris | Abgelegt unter Kunstdrucke | Kommentieren

Rom soll von Besuchern zerstört werden

Was Hannibal und seine Elefanten nicht geschafft haben, können nun Kunstfreunde: Rom zerstören.

Viele Kunstwerke werden von ihren Schöpfern gefertigt um deren Gefühle zu vermitteln und diese für die Ewigkeit zu verwahren.

Der Künstler Yadegar Asisi ist jedoch der Meinung, dass einzigartige Werke nicht weiter vermarktet werden sollten. Um Platz für sein neues Panorama „Amazonien“ zu schaffen, welches ab dem 28. März zum 150. Todesjahr von Alexander von Humboldt in Leipzig ausgestellt wird, hat er sich deswegen dafür entschieden sein seit 2006 im Leipziger Panometer zu sehendes Panorama „Rom CCCXII“ (Rom 312) nicht zu verkaufen oder einem Museum zu übergeben. Vielmehr soll das 100 mal 30 Meter große Werk am 1. Februar öffentlich zerstört werden – und zwar durch Kunstinteressierte. Diesen werden dafür Farbpistolen zur Verfügung gestellt, womit sie auf das antike Rom schießen können. Anschließend soll das Werk vom Asisi-Team in einer spektakulären Aktion zerschnitten werden.

Der 1. Februar wird also zu einem Tag an dem sowohl Kunstliebhaber, als auch Menschen, die eher auf „mehr Action stehen“, sich der Kunst wegen an einem Ort versammeln, um ein Kunstwerk zu betrachten. Wenn auch die Einen nur kommen, um es anschließend zu zerstören, während die Anderen ein wortwörtlich gigantisches Kunstwerk vor seiner Zerstörung noch einmal bewundern möchten.

Auch wenn ich nicht wirklich verstehen kann, wie ein Künstler sein eigenes Werk einfach zerstören lassen kann, so ist dies meiner Meinung nach doch zumindest eine sehr gelungene Publicity-Aktion, mit der er hervorragend für sein Amazonas-Panorama wirbt…


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Mit Schnäppchen Geld verdienen

Vom 2. Dezember 2008 | Veröffentlicht von Oskar | Abgelegt unter Kunstdrucke | Kommentieren

Mit Schnäppchen Geld verdienen

Es ist immer schön, mit Schnäppchen Geld zu verdienen. Der Erlös ist hoch, das Risiko gering. Das dachte sich wohl auch ein Mann, der einen kleinen Schatz endeckte: Er fand im Heizungkeller einer Frau (wie und warum er dahin kam, konnte leider nicht ermittelt werden) das Acrylgemälde “Pferd und Gockel” des italienischen Malers Marino Marini und kaufte es der verschuldeten Frau für schlappe 1.700 Euro ab.

Auch wenn 1.700 Euro in manchen Fällen eine ordentliche Stange Geld sein können, so verblasst diese Summe dann doch, wenn man weiß, dass das genannte Gemälde nur wenige Monate später im bekannten Londoner Auktionshaus Sotheby’s für knapp 500.000 Euro versteigert wurde.

Des einen Freud, der anderen Leid könnte man nun meinen, doch die Sache sollte noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Denn der ehrliche glückliche Käufer wurde des Betrugs angeklagt. Allerdings nicht von der Vorbesitzerin, die er getäuscht hatte, sondern von einem seiner eigenen Bekannten, vom dem er sich die 1.700 Euro für den Kauf geliehen hatte.

Dieser Bekannte sollte nämlich die Hälfte des Weiterverkaufserlös erhalten und bekam diesen Betrag, als der Käufer das Gemälde erstmalig weiterverkaufte, an eine Firma in Übersee - für 75.000 Euro.

Diese Firma nun wiederum ließ das Gemälde bei Sotheby’s versteigern und erzielte dabei den oben genannten Preis. Anstatt sich darüber nun jedoch zu freuen, überwiesen sie dem Käufer aus einem nicht ersichtlichen Grund noch einmal knapp 310.000 Euro

Kein Wunder, dass der Bekannte des Käufers an dieser Stelle des Betrugs einen weiteren Betrug witterte und schließlich klagte.

Das Urteil steht noch aus.

Obzwar diese Geschichte selbst so mysteriös ist wie die Frage, wer denn die Mona Lisa nun wirklich ist, so scheint mir das Fazit dahingegen schon festzustehen: Gemälde eignen sich hervorragend als Geldanlage; wertvolle Gemälde tauchen wirklich immer im Keller auf; mit Schnäppchen kann man Geld verdienen; man sollte dabei nur nicht seine Freunde betrügen…


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Wer’s findet, dem gehört’s auch?!

Vom 14. November 2008 | Veröffentlicht von Emil | Abgelegt unter Kunstdrucke | Kommentieren

Wer’s findet, dem gehört’s auch?!

Fragt man die Stadt Mönchengladbach, mag das vermutlich zutreffen. Die freundlichen Damen und Herren des Kunstmuseums in Mönchengladbach fanden in ihren Kellerräumen im April 2007 einen mysteriösen weißen “Haufen”, den sie scheinbar nicht mehr richtig zuzuordnen wussten - und einfach auf dem Müll entsorgten.

Scheinbar war jemandem nicht klar, dass es sich dabei um die Installation “Nach unbekannt abgewandert” des Aktionskünstlers Wolfram Kastner handelte, der so dem Holocaust - die Deportation und Ermordung der Juden - gedenken wollte. Die 100 weiß bemalten Koffer lagerten zwar bereits seit Ende der Ausstellung im Februar 2006, also rund 14 Monate, mit Bitte um Abholung im Keller des Museums, doch eine kleine Vorwarnung über die Entsorgung hätte sicherlich niemandem geschadet. Der Grund, die Lagerung im Keller verstoße gegen Brandschutzvorschriften, mag zwar noch so plausibel für eine Umlagerung des Kunstwerkes sein, eine plötzliche Entsorgung rechtfertigt dies aber nicht.

Ziemlich peinlicher Fauxpas, der den Mitarbeitern dort unterlaufen ist, doch auch Kastner hat sich in meinen Augen in seltsames Licht gerückt. “Ich bin nicht glücklich, aber einigermassen zufrieden. Die Stadt hat nun anerkannt, dass ein Kunstwerk von mir zerstört wurde.” - so lauteten Kastners Worte, nachdem ihm von der Stadt 6.000 Euro Entschädigung zugestanden wurden. Wieso “in seltsames Licht gerückt”? Ich persönliche finde, die Schadensersatzforderung von Kastner und seinem Anwalt in Höhe von 25.000 Euro steht in keinem Verhältnis zur Realität. Für ein Werk, das ihn offenbar gar nicht mehr interessiert hat, im Nachhinein 25.000 Euro Schadensersatz zu verlangen, halte ich für äußerst fragwürdig und auch die Begründung des Anwalts (”Mit so einem Werk würde ich etwas sensibler umgehen”) ändert daran nichts.

Vergangene Woche habe ich auf der Straße vor unserem Haus ein Werk ausgestellt, das aus 100 bunt zusammengewürfelten Verbundfasern aus meiner Kredenz, eingehüllt in azurblaue synthetisch erzeugte Polymere mit organischen Gruppen, bestand. Dieses Werk wurde einfach, während ich schlief, entsorgt. Nun überlege ich natürlich, Schadensersatz in Höhe von - und da bin ich doch vergleichsweise zurückhaltend - 2.500 Euro zu verlangen.

…man kann es doch mal probieren?!


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Der Phoenix erhebt sich aus der Asche

Vom 21. Oktober 2008 | Veröffentlicht von Emil | Abgelegt unter Kunstdrucke | Kommentieren

Der Phoenix erhebt sich aus der Asche

Es ist einige Zeit still in unserem Blog geworden, doch das soll sich nun ändern. Wie der Phoenix aus der Asche erheben wir uns, während es um die Kunst-Welt momentan deutlich schlechter steht, als noch vor einem Jahr, denn die weltweite Finanzkrise wirkt sich nicht unerheblich auf die Welt des geschwungenen Pinsels aus.

Die Verbindung zwischen der Finanzkrise und ihrer Auswirkung auf die Kunst- und Kulturwelt macht sich wie folgt bemerkbar: Ein Großteil der Museen, gerade in den USA, finanzieren sich über Sponsorengelder und Spenden. Drittmittel, die nun verloren gehen, da vieles über Kredite zwischenfinanziert wurde. Die staatliche Kulturförderung in den USA hinkt ihrem Anspruch sowieso schon seit langer Zeit weit hinterher. Während in den USA im Jahr 2006 gerade einmal 125 Mio US-Dollar in Kulturförderung investiert wurden, haben Bund, Länder und Gemeinden in Deutschland allein im Jahr 2007 rund acht Milliarden Euro für Kultur ausgegeben.
Zukünftig könnte die “Corporate Sponsorship” für viele Museen gänzlich verschwinden, da die Prioritäten neu verteilt sind: Weg von Kultur, hin zu Sozialprogrammen - womit die Kunst ein Luxus geworden ist, auf den verzichtet werden kann.

Die Zeit der Superdeals ist nun jedoch erst einmal vorbei, da die Preise für Kunst zunehmend einbrechen. Im Kultur-Sektor ist eine ähnliche Blase geplatzt, wie auf dem globalen Finanzmarkt. Schon seit geraumer Zeit hörte man immer häufiger, dass die über Kredite ersteigerten Kunstwerke durch die Wall-Street-Banker immer schwerer abbezahlt werden konnten und auch das weltberühmte Londoner Autkionshaus “Sotheby’s” meldete da schon, dass sie immer mehr Probleme im Einkassieren ihrer Summen bekämen.

Nicht zum ersten Mal wird der Kunstmarkt durch Veränderungen in der Weltwirtschaft massiv beeinflusst. Als 1991 beispielsweise der japanische Yen gegenüber dem US-Dollar aufgewertet wurde, flossen Unsummen japanischen Geldes in den Kunstmarkt, sodass Banken begannen, Kunstwerke (mit utopischem Wert belegt) als Kredit-Sicherheit zu akzeptieren. Als später der Nikkei-Index crashte, gingen dramatische Notverkäufe mit drastischem Wertverlust der Kunstwerke einher und die Preise für Kunst brachen extrem ein. Ein für einen zweistelligen Millionenbetrag ersteigerter Van Gogh brachte es beispielsweise nur noch auf ein Achtel seines ursprünglichen Preises. Ähnlich schockierendes “Emergency Selling” zeigt sich auch in der gegenwärtigen Krise. Der Geschäftsführer der bankrott gegangenenen Lehman Brothers Bank, die im vergangenen Jahr noch mit rund 39 Mio US-Dollar Kulturprogramme förderte, trennte sich für rund 20 Mio Dollar von seiner Sammlung abstrakt-expressionistischer Meisterwerke.

Nach den dramatischen Ereignissen bleibt es abzuwarten, ob in naher Zukunft noch einmal Summen von über 85 Mio Dollar für Kunstwerke aufgebracht werden können, wie noch im Frühjahr und Sommer dieses Jahres. Laut dem amerikanischen Wirtschaftsprofessor Michael Moses, Initiator des “Mei Moses Index“, in dem Preisentwicklungen seit 1925 festgehalten sind, habe es “in den vergangenen 50 Jahren regelmäßige Höhen und Tiefen” gegeben. In der Regel sollen sich Finanzkrisen mit einer Verzögerung zwischen 6 - 18 Monaten auf den Kunst- und Kultursektor auswirken.

Der einzige Vorteil, der sich bisher ausmachen lässt, liegt darin, dass Kunst zukünftig vielleicht weniger nach ihren Preisen bewertet wird und zudem der Erwerb außerordentlicher Kunstwerke vielleicht sogar für öffentliche Museen erschwinglicher werden kann. Prinzipiell positiv, oder nicht?


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Und alles nur aus Liebe…

Vom 28. November 2007 | Veröffentlicht von Emil | Abgelegt unter Kunstdrucke | 3 Kommentare

Und alles nur aus Liebe…

Der eine oder andere mag sich noch an die so bezeichnete Vergewaltigung des “weißen Bildes” vom US-Künstler Twombly erinnern, die vor einer Weile Aufsehen erregte. Nicht? Eine junge Frau hatte bei einer Ausstellung in Avignon ein dort ausgestelltes Gemälde unter Verwendung von Lippenstift mit einem roten Kussmund versehen. Bei ihrer Festnahme gab sie an, “aus Liebe” gehandelt und das millionenschwere Gemälde nur verschönert zu haben.

“Wer Wind säht, wird Sturm ernten” lautet zwar das Sprichwort, aber viel Liebe bekam die junge Kambodschanerin nicht wirklich zurück. Stattdessen wurden vom Kurator der Ausstellung schwere Vorwürfe gegen sie erhoben. Es wurde von Vandalismus gesprochen; sogar der Ausdruck der Vergewaltigung machte die Runde. Nun ist das Gerichtsurteil aus dem Prozess gegen die junge Vandalin bekannt gegeben worden. Und sie hat wirklich Glück gehabt, wenn man bedenkt, dass das Gemälde Twomblys einen Wert von rund zwei Millionen Euro hat.

Der Besitzer des Gemäldes, Yvon Lambert, forderte zwar gleich die ganze Summe von zwei Millionen als Schadensersatz, kam aber mit dieser Forderung nicht durch. Wie hätte die junge Frau das auch bezahlen sollen?

Stattdessen muss sie nun rund 1.500 Euro für den Kuss bezahlen. Ein Kuss, den sie sicher so schnell nicht wieder vergessen wird. Eintausend Euro gehen an den Besitzer, der sich zwar um die Summe von 1.999.000 Euro gebracht fühlt, aber immerhin entschädigt wird. Weitere 500 Euro fließen in die kostspielige Wiederherstellung des 2×3m großes Gemäldes und ein letzter, symbolischer Euro kommt dem US-Künstler Twomby selbst zugute, der von der Tat “entsetzt” gewesen sei – der arme! Außerdem wurden der Frau noch 100 Stunden Sozialarbeit aufgebrummt.

War die Liebe das wirklich wert? Diese Frage sollte sich die 30-jährige Frau sich das nächste Mal stellen, bevor sie mit Lippenstift und ihren Lippen bewaffnet das nächste Mal ein Museum betritt und Kunstwerke bedeutender zeitgenössischer Künstler “vergewaltigt”.
Ich denke, dass die Strafe angemessen ausgefallen ist. Das Fehlverhalten wird bestraft, aber bleibt dabei in einem realistischen Rahmen. Und solange sie keine Schönheitsverbesserungen an wirklich zeitloser Kunst ausübt, finde ich den Skandal aus dem Avignoner Museum sogar ein wenig amüsant. Man stelle sich nur einmal vor, der Feinstaub in Mailand würde nun auch noch Lippenstift tragen…


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